E-Learning an der Hochschule Wismar

E-Learning-Anwendungen wie Live-Konferenzen gehören heute für viele Studenten zum Alltag.

E-Learning-Anwendungen wie Live-Konferenzen gehören heute für viele Stu­denten zum Alltag.

In den 90er Jahren setzte eine rasante Ent­wick­lung mul­ti­me­dialer Infor­ma­ti­ons­struk­turen ein. Ins­be­son­dere die neuen Mög­lich­keiten des World Wide Web ver­än­derten die Bil­dungs­land­schaft. Man konnte auf Inhalte online, also orts– und zeit­un­ab­hängig zugreifen. Neue Arbeits­mög­lich­keiten ent­standen, sowohl bezüg­lich des Ler­nens aber auch bezüg­lich des Leh­rens. Die mul­ti­me­dialen Tech­niken erlaubten ele­gant neue Formen der Lehr­stoff­ver­mitt­lung, Tests wurden mög­lich, Platt­formen für das Lehren und Lernen ent­standen. Seit jeher wurde Infor­ma­ti­ons­tech­no­logie im Stu­dium genutzt, aber mit dem Internet und ins­be­son­dere dem WWW ent­stand eine neue Qualität.

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ILIAS ist die zen­trale Lern­platt­form der Hoch­schule Wismar.

Auch unsere Hoch­schule tum­melte sich auf dem inno­va­tiven Feld des E-Learnings. In einer Reihe von Pro­jekten wurden in allen drei Fakul­täten Lehr­in­halte imple­men­tiert, Platt­formen wie z. B. WebCT getestet, mit Kom­mu­ni­ka­ti­ons­formen für Leh­rende und Stu­die­rende expe­ri­men­tiert. Diese Phase war geprägt vom Pro­bieren und Erfah­rung sam­meln. Ins­be­son­dere in den Berei­chen der Mathematik-Grundausbildung und der Informatik-Lehre wurden hierbei Pro­jekte durch­ge­führt. Hinzu kam die Eta­blie­rung eines Multimedia-Zentrums an unserer Hoch­schule, wel­ches auf viele Pro­jekte zur Lehr– und Lern­un­ter­stüt­zung zurück­bli­cken kann. Das Resümee dieser Phase kann nur lauten: Die neuen Mög­lich­keiten haben das Stu­dium und die Qua­lität unserer Lehre ver­bes­sert. Mit der Ein­füh­rung der Platt­formen Stud.IP und ILIAS sowie deren Defi­ni­tion als Standard-Plattformen durch das Rek­torat bekam die Ent­wick­lung eine klare Rich­tung. Stud.IP und ­ILIAS wurden im Rahmen des Pro­jektes Campus Online lan­des­weit – und somit auch an unserer Hoch­schule – als Platt­formen für das Manage­ment von Lehr­ver­an­stal­tungen bzw. die Erstel­lung und Ver­wal­tung von E-Learning-Inhalten ein­ge­führt. Die Eta­blie­rung beider Sys­teme erwies sich als zäh. Erst mit dem erfolg­rei­chen Ein­satz von Stud.IP an der Fakultät für Wirt­schafts­wis­sen­schaften und im Aka­de­mi­schen Senat ent­stand eine Dynamik. Auch die anderen Bereiche wurden auf die Vor­teile auf­merksam, sodass nach und nach in den anderen Fakul­täten ein Ein­satz erfolgte.

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Ver­schie­dene inter­ak­tive Fra­ge­typen, die im E-Learning-Programm ILIAS zum Ein­satz kommen.

Wo stehen wir heute aus der Sicht des E-Learnings? Die neuen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­formen haben sich zu großen Teilen eta­bliert. Chats, soziale Netz­werke, Foren, Online-Lerngruppen und Live-Konferenzen haben sich als pro­bate Mittel beim Lehren und Lernen durch­ge­setzt. Mul­ti­me­diale Inhalte haben ihren Platz in der Lehre gefunden – von Kom­po­nenten zur Ver­mitt­lung ein­zelner Lehr­stoff­bau­steine bis hin zu kom­pletten Online-Studienangeboten findet man an unserer Hoch­schule ein breites Spektrum.

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Der Hoch­schul­pakt (HSP) ist ein För­der­pro­gramm des Bun­des­mi­nis­te­riums für Bil­dung und Forschung.

Im Bereich der Prä­senz­lehre haben viele Dozenten unserer Hoch­schule beim Ein­satz der beiden Platt­formen ­­Stud.­IP und ILIAS posi­tive Erfah­rungen sam­meln können. Beson­ders im Bereich des Fern­stu­diums, einem wich­tigen Pro­fil­ele­ment der Hoch­schule Wismar, hat sich E-Learning eta­bliert und bewährt. Natür­lich haben wir auch auch erfahren, dass E-Learning nicht immer passt. In Fächern, deren Inhalte sich per­ma­nent ändern, ist E-Learning schon aus Kos­ten­gründen sorg­fältig zu über­denken und zu planen. Auch bei gestal­te­ri­schen oder kon­struk­tiven Fach­ge­bieten erweist sich E-Learning mit­unter als zu kom­pli­ziert und aufwändig.

 

Wie wird unsere Lehr– und Lern­zu­kunft aus­sehen? Wenn wir ehr­lich sind, fühlen wir uns ab und an wie durch die Technik Getrie­bene. Allein durch die sozialen Netz­werke hat sich das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­halten der Stu­die­renden erheb­lich ver­än­dert. Wir, die Leh­renden, können uns diesen Ent­wick­lungen ver­schließen. Oder aber wir können sie für eine gute Lehre nutzen. Wie bereits oben erwähnt, haben sich im Bereich des Fern­stu­diums, z. B. im Stu­di­en­gang Wirt­schafts­in­for­matik die neuen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­formen, mul­ti­me­diale Bau­steine oder auch Online-Tests bewährt und zu einer mess­baren Ver­bes­se­rung der Lehre geführt. Vor diesem Hin­ter­grund hat die Hoch­schule Wismar im Rahmen des Hoch­schul­paktes (HSP) 2011 erfolg­reich einen Antrag gestellt, der die breite Eta­blie­rung von E-Learning an unserer Hoch­schule zum Ziel hat. Auf­gabe des Pro­jekts, wel­ches eine Lauf­zeit bis 2016 hat, ist die Schaf­fung guter Rah­men­be­din­gungen für E-Learning an unserer Hoch­schule. Dabei geht es sowohl um die tech­ni­sche als auch die didak­ti­sche Unter­stüt­zung aller Betei­ligten. Nicht nur der erfolg­reiche HSP-Antrag hat dem Thema E-Learning einen Schub gegeben. Mit dem neuen Pro­duk­ti­ons­studio für E-Learning-Anwendungen (PELA) steht uns seit 2012 ein Studio auf tech­nisch höchstem Niveau zur Ver­fü­gung. Auch die Ein­rich­tung der Net.Uni und die zügige Eta­blie­rung der Online-Angebote geben dem Thema E-Learning neuen Schwung. Mit Blick in die Zukunft stellt sich die Frage, wie E-Learning an der Hoch­schule Wismar gestaltet werden sollte. Wir werden sicher nicht das Ziel ver­folgen, in allen Stu­di­en­gängen, in allen Fächern, kom­plette E-Learning-Kurse zu eta­blieren. Dies ist aus fach­be­zo­genen, didak­ti­schen und auch finan­zi­ellen Gründen unsinnig. Das Kon­zept, wel­ches wir als Hoch­schule ver­folgen werden, ist das des Blended Learning. Dies ist ver­ein­facht gespro­chen eine Mischung aus bewährten Lehr­me­thoden, die sinn­voll durch die Mög­lich­keiten moderner Medien ergänzt bzw. erwei­tert werden. Zum Bei­spiel kann man The­men­kom­plexe einer Ver­an­stal­tung als E-Book zur Ver­fü­gung stellen, wel­ches an einigen Stellen durch mul­ti­me­diale Kom­po­nenten wie Pod­casts oder auch im PELA pro­du­zierte Filme, ani­mierte Bei­spiele oder Tests ange­rei­chert wird. Somit bleibt in den Lehr­ver­an­stal­tungen mehr Zeit, um über grund­le­gende sowie spe­zi­elle Themen gemeinsam zu dis­ku­tieren. Lassen Sie uns gemeinsam die große Chance zu einer breiten und nach­hal­tigen Eta­blie­rung von E-Learning an unserer Hoch­schule nutzen.

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Prof. Dr. Jürgen Cleve
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften