FAQ: Digitale Dokumente in der Lehre nutzen

All­ge­meines

Welche Inhalte sind urhe­ber­recht­lich geschützt?

Ant­wort: § 1 Urhe­ber­ge­setz (UrhG) nennt als Schutz­güter des Urhe­ber­rechts Werke der Kunst, Lite­ratur und Wis­sen­schaft. Nach der gesetz­li­chen Defi­ni­tion in § 2 Abs. 2 UrhG sind nur per­sön­liche geis­tige Schöp­fungen schütz­wür­dige Werke. Es kommt ins­be­son­dere darauf an, dass das zu schüt­zende Gut Ergebnis einer schöp­fe­ri­schen Tätig­keit ist und die indi­vi­du­elle Prä­gung seines Urhe­bers trägt. Dies setzt voraus, dass das Werk eine gewisse „Gestaltungs-“ oder „Schöp­fungs­höhe“ erreicht. Die Anfor­de­rungen an das Errei­chen dieser not­wen­digen Gestaltungs-/Schöpfungshöhe dürfen aber nicht über­spannt werden, weil das Urhe­ber­recht auch Schöp­fungen mit gerin­gerer Schöp­fungs­höhe schützen möchte.

Wann nutze ich urhe­ber­recht­lich geschützte Werke in der Lehre?

Ant­wort:

  • Das UrhG unter­scheidet zwi­schen kör­per­li­cher und unkör­per­li­cher Ver­wer­tung (§ 15 UrhG), wie der Ver­viel­fäl­ti­gung eines Werk­stücks und der unkör­per­li­chen Wie­der­gabe eines Werkes
  • Maß­geb­lich für die Ver­an­schau­li­chung der Lehre ist das Recht der öffent­li­chen Wie­der­gabe des § 15 II UrhG
  • Der Urheber bestimmt, ob sein Werk öffent­lich wie­der­ge­geben wird
  • Nicht­öf­fent­liche Wie­der­gaben greifen nicht in die Ver­wer­tungs­rechte des Urhe­bers ein und sind somit zustim­mungs­frei möglich
  • Die für eine zustim­mungs­freie Nut­zung maß­geb­liche Nicht­öf­fent­lich­keit setzt eine per­sön­liche Ver­bin­dung der Stu­die­renden unter­ein­ander oder zur Lehr­kraft voraus, die hin­rei­chend stark ist, unter den Stu­die­renden das Bewusst­sein der per­sön­li­chen Ver­bun­den­heit zu entwickeln
  • Öffent­lich­keit bestimmt sich nach der Art und Weise der Bezie­hung, Zeit­dauer des Zusam­men­seins, Kon­ti­nuität des Teil­neh­mer­be­standes, Größe des Teil­neh­mer­kreises (Indizwirkung)

Lehr­ver­an­stal­tungen im Hoch­schul­kon­text sind man­gels per­sön­li­cher Ver­bun­den­heit der Stu­die­renden unter­ein­ander öffent­lich i.S. des UrhG. Die Wie­der­gabe von Werken in diesen greift somit grund­sätz­lich in das Recht der öffent­li­chen Wie­der­gabe ein und ist von der Zustim­mung bzw. dem Ein­greifen einer Schran­ken­be­stim­mung des UrhG abhängig.

Welche rele­vanten gesetz­li­chen Schranken für die Lehre gibt es?

Ant­wort: Die für die Lehre rele­vanten Schranken sind:

  • Zitat­recht (§ 51 UrhG)
  • Recht der öffent­li­chen Zugäng­lich­ma­chung für Unter­richt und For­schung (§ 52a UrhG)
  • Recht der Ver­viel­fäl­ti­gung zu Prü­fungs­zwe­cken (§ 53 III Nr. 2 UrhG)
  • Recht der Ver­viel­fäl­ti­gung zum eigenen wis­sen­schaft­li­chen Gebrauch (§ 53 II Nr. 1 UrhG)
  • Recht der Ver­viel­fäl­ti­gung zur Auf­nahme in ein eigenes Archiv (§ 53 II Nr. 2 UrhG)
  • Recht der Wie­der­gabe an elek­tro­ni­schen Lese­plätzen (§ 52b UrhG)
  • Kopi­en­ver­sand auf Bestel­lung (§ 53a UrhG)
  • Freie Benut­zung eines vor­be­ste­henden Werkes (§ 24 UrhG)
  • Son­der­re­ge­lungen für Com­pu­ter­pro­gramme und Daten­banken (§§ 69c, 87c UrhG)

Darf ich urhe­ber­recht­lich geschütztes Mate­rial online den Stu­die­renden zur Ver­fü­gung stellen?

Ant­wort: Auch das Bereit­stellen auf der Lern­platt­form gilt als Ver­öf­fent­li­chung. Sie bedarf bei Nicht­bei­tritt der Hoch­schule zum Rah­men­ver­trag der VG Wort einer Ein­wil­li­gung des Urhe­bers bzw. der Verwertungsgesellschaft.

In wel­chem Umfang darf ich Zitate in meinen Online-Kurs einstellen?

Ant­wort: Die Ver­wen­dung fremder Inhalte ist im Urhe­ber­recht unter anderem durch das Zitat­recht (§ 51 UrhG) gere­gelt, das mit Blick auf bestimmte Kon­texte die Ver­wen­dung geschützter Inhalte erlaubt. Wenn­gleich die Nut­zung auch nicht unter Angabe abso­luter Grenz­werte ein­ge­räumt wird, bleibt diese an bestimmte Zwecke geknüpft, zu denen sowohl die Ver­wen­dung in wis­sen­schaft­li­chen Werken wie auch in selb­stän­digen Sprach– oder Musik­werken gehören. Der Umfang des Erlaubten ist letzt­lich immer in Rela­tion zum Umfang des Aus­gangs­werks zu setzen und zusätz­lich durch den Gebrauchs­zweck bestimmt. In der Praxis unter­scheidet man im Wesent­li­chen drei Fälle:

Wis­sen­schaft­li­ches Groß­zitat
Das Zitat­recht räumt zu wis­sen­schaft­li­chen Zwe­cken beson­ders weit­rei­chende Pri­vi­le­gien ein und gestattet im Rahmen einer eigen­stän­digen wis­sen­schaft­li­chen Arbeit sogar das voll­stän­dige Zitieren fremden Inhalts. Unab­ding­bare Vor­aus­set­zung für die Anwend­bar­keit dieses Nut­zungs­rechts sind jedoch das Vor­liegen einer aner­kannten Zitier­zwecks, die inhalt­liche Aus­ein­an­der­set­zung mit dem ent­lehnten Werk sowie die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit zur eigenen wis­sen­schaft­li­chen Arbeit.

Klein­zitat
Das Klein­zitat erlaubt ledig­lich die Über­nahme kleiner Teile eines Werks. Neben dem Zitat­um­fang unter­scheidet es sich vom Groß­zitat zudem in einer fle­xi­bleren Inter­pre­ta­tion des Zitatz­wecks sowie in seinem Kon­text. Somit kann das Klein­zitat auch außer­halb des wis­sen­schaft­li­chen Bereichs zum Tragen kommen; inhalt­liche Bezüge sind für seinen Ein­satz bereits aus­rei­chend.
Inter­es­sant ist das Klein­zitat zudem inso­fern, als es kei­nerlei Beschrän­kung hin­sicht­lich der zitierten Wer­kart unter­liegt; so können bei­spiels­weise auch Film– oder Audio­aus­schnitte in ent­spre­chend geringem Umfang als Zitate her­an­ge­zogen werden.

Großes Klein­zitat
Als Grenz­fall zwi­schen o.g. Zitatarten kann das soge­nannte „große Klein­zitat“ gelten. Bei dieser Art des Zitats wird die Ent­leh­nung im Ganzen durch die Art des zitierten Werks begründet, wenn es typi­scher­weise nur im Ganzen zur Ver­an­schau­li­chung her­an­ge­zogen werden kann (z.B. bei Bil­dern, Kunst­werken etc.). In sol­chen Fällen muss nicht zwin­gend ein wis­sen­schaft­li­cher Kon­text, jedoch wie beim Klein­zitat zumin­dest ein Zitatz­weck vorliegen.

ACHTUNG: In allen Fällen muss das Zitat begründbar sein und in einem ver­nünf­tigen Ver­hältnis zum zitie­renden Werk stehen. Die Anwend­bar­keit des Zitat­rechts kann zudem nur gewähr­leistet werden, wenn die Anfor­de­rungen an die Quel­len­an­gaben erfüllt werden und keine unge­kenn­zeich­neten Ände­rungen am Ori­ginal vor­ge­nommen wurden.